Also sprach Zarathustra

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Deutschland, 1883–1885

Wieder steht einer auf einem Berg und spricht. Doch diesmal kommt keine Offenbarung von oben, sondern aus der Tiefe des eigenen Rauschs.
Nietzsche ruft den alten persischen Propheten zurück, nur um ihn neu zu erfinden:
als Verkünder des Menschen, der Gott überlebt hat.

„Gott ist tot“ – nicht als Triumph, sondern als Diagnose.

Das Firmament ist leer, und nun muss der Mensch selbst die Sonne anzünden.
Also sprach Zarathustra ist kein Buch, sondern ein Gesang:
Gleichnisse, Hymnen, Spott und Ekstase,
Philosophie in Versen,
Evangelium ohne Erlösung.
Hier spricht niemand zu den Menschen,
sondern aus ihnen.

Der Übermensch, den Nietzsche beschwört, ist kein
Herrscher, sondern ein Tänzer.
Einer, der das Chaos in sich trägt und daraus Sterne gebiert.

„Man muss noch Chaos in sich haben,
um einen tanzenden Stern zu gebären.“


Es ist die heiligste aller Ketzereien: das Ja zum Leben – trotz Schmerz,
trotz Sinnlosigkeit.
Das Buch wurde verflucht, verehrt, missbraucht. Es hat Philosophen, Dichter
und Tyrannen inspiriert.
Doch unter all dem Donner liegt ein stilles Sehnen:
nach einer Liebe,
die keinen Gott mehr braucht,
weil sie alles bejaht.

Kanon: 🌊 Fluss gegen die Wüste.
Kreiszeit statt Endzeit.
Das Göttliche im Inneren.
Nach den Propheten – der Dichter,
der die Schöpfung zurücksingt in sich selbst.

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