Am Anfang war kein Licht – am Anfang war Schwingung.
Atem traf auf Absicht, und Bedeutung begann zu glühen.
Seitdem versucht der Mensch, das Unerklärliche zu fixieren –
in Lauten, Zeichen, Formeln.
Jede Kultur erinnert sich an diesen Moment anders,
aber der Impuls ist derselbe:
den Schimmer des Unsagbaren festhalten,
bevor er im Wind vergeht.
Ein heiliger Text ist nie nur ein Buch.
Er ist das versteinert gewordene Staunen einer Begegnung zwischen Endlichkeit und Ewigkeit.
Ein Fossil aus Bewusstsein und Atem.
Der Mensch spricht, weil Schweigen weh tut.
Aus Angst erschuf er Beschwörungen,
aus Ehrfurcht Gedichte.
Man schrieb auf Rinde, Knochen – später auf Bananenblätter oder Baumwolle .
Immer mit der Hoffnung, dass die Welt zurückspricht.
Wer diese Schriften liest, wandert durch den Hallraum der Menschheit:
Hymnen, Gesetze, Visionen, Träume.
Einige führen nach innen, spiralförmig wie Flüsse ins Schweigen.
Andere treiben hinaus, Karawanen im Sand,
auf der Suche nach der nächsten Offenbarung.
Zwischen diesen beiden – zwischen Fluss und Wüste –
lebt alles Menschliche:
Erinnerung, Hunger und der kindische, trotzig schöne Glaube,
dass Sprache uns vor dem Vergessen retten kann.