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aber immer im Takt mit dem,
aber immer im Takt mit dem,
was wir Dasein nennen.
was wir Dasein nennen.


'''Kanon:''' Fluss.
'''Kanon:''' Fluss.

Version vom 25. Oktober 2025, 14:23 Uhr

Indien, ca. 1500–500 v. Chr.

Lange bevor in Indien jemand auf die Idee kam, das Wort zu schreiben,
wurde es gesungen – makellos, in Atemmaß und Tonhöhe.
Die Veden – „Wissen“ heißt das Wort –
sind das älteste überlieferte Klanggebäude der Menschheit.
Fehlerlosigkeit war kein Ehrgeiz, sondern kosmische Notwendigkeit:
Ein falsch gesetztes „Om“ konnte, so glaubte man,
die Ordnung der Welt verrücken.

Vier Sammlungen bilden das heilige Gerüst:
Rig-Veda, Sama-Veda, Yajur-Veda und Atharva-Veda –
je ein eigener Klangkörper,
getragen vom Atem der Priester, die man später Brahmanen nannte.
Ihre Hymnen besingen die Morgenröte, das Opferfeuer,
den Donner, die Milch der Kühe und die Größe des Himmels.
Und doch ahnt man unter all dem Handwerklichen etwas Tieferes:
Die Welt selbst, so sagen sie,
ist ein Klang, der sich seiner selbst bewusst wird.

Aus diesem Meer von Gesang stiegen später Yoga, Ayurveda
und die Philosophie der Upanishaden hervor –
wie Inseln aus derselben Flut.
Aber die Veden bleiben Ursprung,
nicht als Theorie, sondern als Frequenz.
Ihre Götter sind keine Personen,
sondern Prozesse – Bewegungen im Geist.
Ihre Theologie ist Grammatik des Staunens.

Ordnung – ṛta – ist hier nichts, das verhängt wird;
sie erklingt.
Opfer ist keine Zahlung, sondern Teilnahme:
das Zusammenfließen des eigenen Atems
mit dem Atem der Welt.

Man kann sagen, die Veden sind kein Text,
sondern eine Stimme,
die seit dreitausend Jahren weitersingt –
mal laut, mal kaum hörbar,
aber immer im Takt mit dem,
was wir Dasein nennen.

Kanon: Fluss.
Das Heilige als Puls.
Das Göttliche als Klang.